Blogo (und andere App-Entwickler) nerven

Zur Zeit greift eine echte Unsitte um sich: Programmierer, die auf Kosten ihrer Kunden noch mehr Geld verdienen wollen. Vorweg: Jeder, der eine ordentliche App programmiert, verdient ein ordentliches Auskommen, meinetwegen darf er damit auch gerne reich werden. Dass man seine Arbeit nicht verschenkt, ist selbstverständlich. Auf meinem Rechner laufen ausnahmslos gekaufte Programme, die zum Teil auch recht teuer waren (Omnifocus…).
Was ich aber gar nicht abhaben kann, ist folgendes Verhalten:
Vor einigen Jahren habe ich Blogo erworben. Kostete damals 13,99€. Blogo ist liefert eine Schnittstelle zu Blogs, die man mit WordPress betreibt. Für Windowsuser: Funktioniert so ähnlich wie Live Writer. Ich beliefere damit die Schulhomepage, meine Klassenweblogs usw. In Version 2 konnte ich mehrere Blogs verwalten, veröffentlichen, Entwürfe speichern und sogar Kommentare administrieren.
Heute habe ich dann offenbar den entscheidenden Fehler gemacht: Mir wurde ein Update angeboten und ich habe nicht bemerkt, dass hier ein Versionssprung von 2 auf 3 heruntergeladen wird. Ergebnis: Ich kann Blogo starten, aber nicht damit arbeiten, weil jetzt ein Account verlangt wird, den man sich entweder bei Blogo direkt oder bei Facebook / Google anlegen kann. Begründet wird das so: „By creating a Blogo account all your content will be automatically synced between your Apple devices (Mac, iPad, and iPhone). Also it’s always good to remind you that Blogo saves everything locally so you don’t have to worry about that.“ (nachzulesen hier). Das ist natürlich ausgewachsener Blödsinn. Für die Synchronisierung braucht man gar nichts, die Daten liegen auf meinem Server, blogo bedient lediglich eine Schnittstelle. Auf der gleichen Seite beschreibt der Hersteller, dass es in Zukunft eine „Pro-Version“ gibt, die monatlich $9,90 kosten soll. Das Modell sieht dann so aus: Blogo kostet jetzt gar nichts mehr, dafür gibt es eine rudimentäre Software, die allerdings ohne Account nicht läuft. Wer mehr will, zahlt: „We’ll be offering Blogo completely free, and will charge a pro subscription for access to advanced features. Pro features include multiple blog management, Evernote integration, comment management, custom fields and social mirror.“ Für $9,90 bekomme ich also „Multiple Blog Management“ – das hatte ich in Version 2 auch schon. Genauso wie „Comment management“. Ich zahle also in Zukunft für etwas, was ich vorher bereits hatte, jetzt aber nicht mehr verwenden kann, wenn ich mir keinen Account zulegen will. Und das will ich bestimmt nicht. „Entwurf“ bedeutet „nicht druckreif“ und diese Gedanken vertraue ich auf keinem Fall blogo und schon gar nicht Facebook oder google an.

Der ganze Fall erinnert mich an Textexpander, hier schlagen sie einen ähnlichen Weg ein und die Firma hat dafür reichlich Prügel einstecken müssen. Dayone hat in seiner neuen Version des Tagebuchs die Synchronisierung über eigene Server abgeschaltet und lässt nur noch einen Abgleich über firmeneigene Server zu. Irgendwie drehen gerade alle am Rad.

Ich bin gerne bereit, für eine neue Version Geld auszugeben. Aber: Die alte Version faktisch unbrauchbar zu machen und die neue Version mit vielen Features der alten als Neuerung zu verkaufen, dafür fällt mir im Prinzip nichts ein. Doch, eigentlich schon, aber … hier lesen Schüler mit!

BTW: Weiß jemand, wie ich wieder auf Version 2 downgraden kann?