Musik und Arbeit

Ok, ich gebe es zu: Ich halte mich nicht an die Tipps, die ich meinen Schülern gebe. Ich höre während der Arbeit Musik. Manchmal brauche ich das geradezu. Vor allem, wenn Korrekturen anstehen. (Richtig schlimm wird die Korrigiererei erst, wenn Stille herrscht!) In den letzten 10 Tagen habe ich über 60 Abschlussarbeiten gelesen und mein Verlangen nach Musik hat sich Tag für Tag geändert. Da ich das jetzt schon ein paar Jahre so mache, kann ich ein Muster erkennen.

Zum Korrektureinstieg eignet sich am besten Marillion. Das Korrekturalbum schlechthin ist „Seasons End“, das erste Album ohne Fish. Gut eignet sich auch „Misplaced Childhood“ (mit einem meiner Liebingsstücke: Lavender). Einen ähnlich guten Einstieg bieten auch Peter Gabriel (vor allem „Ovo“), Magenta und Pink Floyd. Bei Floyd allerdings nicht alles.

Wenn die Arbeit anstrengender wird, ändert sich mein Geschmack etwas. Wenn es an der puren Masse liegt, dann wird alles ein wenig jazziger. Prima geeignet ist John Scofield, Stan Getz oder das United Jazz & Rock Ensemble, aber auch rocklastigerer Jazz wie Colosseum oder Brand X. Liegt es an der Qualität der Arbeiten, dann stehen härtere Klänge auf dem Programm: Riverside (eine wirklich empfehlenswerte Progmetalband aus Polen), OSI oder auch gerne mal Metallica.

Aber vor der Stille gibt es noch zwei Stufen. Stufe Eins orientiert sich Richtung elektronische Musik. Favoriten sind Jean Michel Jarre, Ozric Tentacles, Kraftwerk und Tangerine Dream. Das passiert allerdings seltener als Stufe Zwei. Die lässt sich irgendwie schwer beschreiben. Ich würde es mal „Minimalistische Musik“ oder „Postrock“ nennen. Das ist übrigens die Art von Musik, die Besucher aus meinem Arbeitsbereich fernhält. Sigur Ros könnte bekannt sein, Godspeed You! Black Emperor wohl nicht, jazziger wird es mit Esbjörn Svensson Trio, Nik Bärtsch oder Ulf Walkenius. Heute habe ich gemerkt, dass ich auch mit Magma ordentlich vorankomme. (Magma gehört definitiv zu der Art von Musik, die mein Umfeld erschauern lässt. Eine geschätzte Kollegin meinte nach dem Probehören, sie könne dabei keine wirkliche Musik entdecken, sie möge mich aber dennoch!)

Dann kommt nur noch Stille. Diese Phase versuche ich aber zu vermeiden. In den meisten Fällen liegt es weniger an der Qualität der Arbeiten als an deren Masse und dem Gefühl, der Stapel wird nie kleiner. Für dieses Schuljahr habe ich die Prüfungsaufgaben hinter mir, jetzt werde ich mich erst einmal musikalisch belohnen, vielleicht ist ja eine passende Korrekturmusik für nächstes Jahr dabei.