Man stelle sich folgendes vor. Es gibt einige deutsche Autohersteller, die gute Produkte herstellen und die den Markt beherrschen. Sie können ihre Produkte recht teuer verkaufen und stehen gut da. Dann geschieht das Unerwartete: Die ausländische Konkurrenz hat eine neuartige Idee – Elektroautos. Sie kommen bei den Konsumenten gut an und bald stellt sich die Frage, wieso die deutschen Hersteller keine solchen Wagen im Portfolio haben.
Die Autobauer haben aber eigentlich kein Interesse an diesen Autos, ihre Produkte laufen gut und wieso sollten sie ihre Strategie ändern? Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass das öffentliche Interesse verärgert. Irgendwie steht man ein wenig altbacken da – das geht nicht.
Also tun sich die Hersteller zusammen und entwickeln ein gemeinsames Auto. Es ist im Grunde eine Kopie eines bereits existierenden Autos, es bekommt ein paar Extras und einen elektrischen Antrieb.
Dann beginnt das Marketing: Mail an bisherige Kunden – Hallo, wir haben ein neues Produkt. Die Kunden sind neugierig. Bisher haben sie ein rotes Auto gefahren, das ist aber leider nicht im Angebot. Leider auch kein Kombi und auch kein kein Wagen mit Lederausstattung. Nun ja, die Kunden, die wirklich ein Elektroauto wollen, werden das schon akzeptieren. Und wer das nicht tut, der kauft weiterhin ein konventionelles Auto.
Der Verkauf läuft so: Man erwirbt nicht wirklich das Auto, sondern lediglich ein Nutzungsrecht. Dieses läuft nach einem Jahr aus, man kann es aber verlängern. Dafür ist der Preis attraktiv: ⅓ des Preises für ein normales Auto. Wenn man sich also sowieso alle drei Jahre einen Neuwagen kauft, kommt man auf den gleichen Preis. Dass sich nur die wenigsten Menschen alle drei Jahre ein neues Auto kaufen können, wissen die Hersteller, das macht aber nichts, wer rechnen kann, kauft weiterhin ein konventionelles Auto.
Allerdings haben die Hersteller Angst davor, dass die Nutzer ihr Auto verleihen könnten oder (noch schlimmer) Fahrgemeinschaften gründen. Das muss unbedingt verhindert werden. Deshalb bekommen die Nutzer einen Schlüssel, der nur funktioniert, wenn man sich mit dem Internet verbindet. Das schränkt die Bewegungsfreiheit ein, aber wer hipp sein will, wird das schon akzeptieren. Aber immerhin kaufen die Kunden ja weiterhin die konventionellen Autos.
Ein kleines Problem gibt es noch. Einige potentielle Kunden verwenden zur Energiegewinnung ein System, das nicht so recht kompatibel mit den eigenen Vorstellungen ist – unschön, aber nicht zu ändern. Ein paar Kunden weniger, aber das betrifft ja nur das Elektroauto, immerhin kaufen sie ja weiterhin die konventionellen Autos.
Die Rechnung dürfte aufgehen. Die Kunden werden nur wenig begeistert auf das Elektroauto reagieren und weiterhin die konventionellen Autos kaufen. Anschließend kann man behaupten, der Markt sei gar nicht so groß wie angenommen und es geht weiter wie bisher. Angriff abgewehrt.
Und die Moral von der Geschichte? Ersetze Autohersteller durch Schulbuchverlage und Elektroauto durch digitale Schulbücher. Ein Jahr Nutzungsdauer, keine Unterstützung für Tablets, Flash auf der Website und eine Software, die nur funktioniert, wenn man sich online anmeldet. Meine Fächer beim einzigen Verlag, der für Wirtschaftsschulen anbietet: Für Deutsch gibt es leider digital nichts, für Geschichte auch nicht. Ebenso Sozialkunde. Ethik ist eine Ausnahme, da gibt es nämlich schon analog nichts, also auch nichts digital.
Und: Ich weiß nicht, wie ich diese Datenschutzerklärung interpretieren soll: „In der Regel werden wir diese Daten bei Ihnen selbst erheben und Sie dabei über den Zweck der Erhebung aufklären. Werden diese Daten nicht direkt bei Ihnen erhoben, werden wir Sie hierüber unterrichten.“ (nachzulesen hier). Ist das eine gängige Formulierung oder der Versuch, den Schultrojaner über die Software auf die Rechner der Kollegen zu bekommen?